Der Hund ist seit jeher ein ständiger Begleiter des Menschen und so tief verwurzelt ist bei uns der Wunsch von einem eigenen Hund.

Er soll freundlich und verspielt sein. Er soll mich respektieren und gut hören. Er soll von dieser und jener Rasse abstammen. Wir haben viele Erwartungen an den „besten Freund des Menschen“.

Was erwartet der Hund eigentlich von uns? Was macht einen guten Menschen aus? Zumindest für unsere Vierbeiner.

Wir verlangen unserer Umwelt einiges ab. Leisten wir dafür ähnliches?

Eine von vielen wichtigen Lektionen im Laufe meiner Arbeit mit Hunden ist: Ich kann nichts von meinem Hund verlangen, solange ich es selbst nicht leisten kann. Ich kann von meinem Hund nicht erwarten, dass er sich draußen entspannt verhält, solange ich selbst in Angesicht eines anderen Hundes in Panik verfalle.

Sollte mein Hund an der Leine pöbeln, bin ich sicher kein Vorbild als Krisenmanager, sollte ich aggressiv an der Leine rucken oder mich mit anderen Hundebesitzern anlegen. Wenn mein Herz hochschlägt bei der Türklingel, wäre es unfair mich über das unsichere Gebell meines Tieres aufzuregen. Unsere Vierbeiner machen so einiges mit uns durch. Vieles ließe sich leichter erleben, wenn wir zunächst unser Verhalten reflektierten.
Der beste Freund des Menschen braucht ebenfalls einen besten Freund und wie jede Beziehung muss auch diese gepflegt werden.

Was ist nun das Geheimnis einer guten Beziehung?

Für mich ist die Kommunikation und die Wahrnehmung des eigenen Verhaltens Dreh – und Angelpunkt einer gesunden Beziehung.

Es ist schon eine Weile her, aber als mein Mädchen zu mir kam, erwies sie sich als äußerst widerspenstig. Mädchen, so heißt meine hochbeinige Kangalhündin, die vor vielen Jahren zu mir kam und mein bisher schwerster Fall war. Sie war äußerst aggressiv und konnte ihre Emotionen gegenüber Artgenossen nicht kontrollieren.

Ich verzweifelte eins ums andere Mal an ihrem unbändigendem Verhalten.

Während der langen Arbeit mit Mädchen lernte ich selbst viel über mich kennen. Sie war eine strenge Lehrerin und ließ mich für jede meiner Unsicherheiten zahlen. Sie erteilte mir zu dieser Zeit ebenfalls diese wichtige Lektion, die ich nicht vergessen werde: Jede Veränderung beginnt in einem selbst. Ich war gezwungen, mich besser zu reflektieren, um so bewusster zu kommunizieren. Nur so konnte ich aus meinen Fehlern lernen. Erst dann war Mädchen bereit mir zu vertrauen. Der mühsame Weg gab unserem Ziel seine Tiefe.

Heute ist Mädchen meine treue Gefährtin, die mir hilft anderen Hunden zu helfen. All diese Erkenntnisse ziehen sich wie ein roter Faden durch meine Arbeit mit Hunden und helfen mir, wenn mal einer meiner kleinen Patienten besonders große Probleme hat.